Licht
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Licht ist kein Motiv.
Es ist die Voraussetzung dafür, dass etwas sichtbar wird.
Physikalisch ist Licht Energie, Welle und Teilchen zugleich.
Es trifft auf Materie, wird gebrochen, absorbiert oder reflektiert.
Erst an einer Oberfläche entscheidet sich, was sichtbar bleibt.
Seit mehr als zwanzig Jahren steht genau dieser Moment im Zentrum meiner Arbeit.
Nicht das Abbild interessiert mich, sondern die Begegnung von Licht und Material.
In der Fotografie geschieht das unmittelbar.
Licht formt Präsenz, Charakter und Raum.
Es legt frei, was da ist, und verbirgt zugleich.
Licht ist dort keine Dekoration, sondern Struktur.
Diese Auseinandersetzung setzt sich in der Malerei fort.
Nicht als Abbildung von Licht, sondern als Wirkung.
Schichtung, Tiefe, Relief, Glanz und Mattheit strukturieren die Oberfläche.
Linien werden zu Flächen, Flächen erzeugen Raum.
Materialien wie Holz, Leinwand, Papier, Graphit, Öl und Leder sind dabei keine neutralen Träger.
Sie besitzen eigenen Widerstand.
Sie nehmen Licht auf, werfen es zurück, brechen es oder binden es.
Je nach Blickwinkel, Abstand und Bewegung verändert sich das, was wahrnehmbar ist.
Graphit reflektiert nicht gleichmäßig.
Er reagiert auf Druck, Richtung und Wiederholung.
Linie wird Oberfläche.
Oberfläche wird Lichtträger.
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Ölfarbe baut Tiefe auf.
Schicht über Schicht entsteht kein Bild, sondern ein Zustand.
Licht bleibt nicht an der Oberfläche, es dringt ein und kommt verändert zurück.
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Holz trägt Spuren.
Leinwand spannt Raum.
Papier reagiert auf jede Berührung.
Leder wird eine weitere Haut, eine weitere Schwelle zwischen Licht und Körper.
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Die Arbeiten sind keine Erzählungen.
Sie zeigen keinen festen Zustand.
Sie verändern sich mit dem Licht, mit der Zeit und mit dem Standpunkt des Betrachters.
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Intention
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Die Arbeit folgt keiner Idee, die illustriert werden soll.
Sie folgt einer Fragestellung, die offen bleibt.
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Was geschieht, wenn Material nicht abbildet, sondern reagiert.
Wenn Oberfläche nicht Träger ist, sondern Akteur.
Wenn Licht nicht gezeigt, sondern wirksam wird.
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Die Intention liegt nicht im Ergebnis, sondern im Vorgang.
Im Wiederholen, Verdichten und Reduzieren.
Im Weglassen von allem, was erklärt.
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Antrieb
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Der Antrieb liegt nicht im fertigen Bild, sondern im Moment davor.
In der Spannung zwischen Material und Licht.
In dem Punkt, an dem etwas fast sichtbar wird.
Was entsteht, ist kein Abschluss.
Es ist eine Öffnung.
Das Werk beginnt dort, wo der Blick verweilt.
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Motivation
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Die Motivation entsteht aus Unruhe.
Nicht aus dem Wunsch nach Form, sondern aus dem Bedürfnis, Wahrnehmung zu schärfen.
Licht ist nie stabil.
Es verändert sich ständig.
Genau darin liegt seine Kraft.
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Diese Veränderung sichtbar zu machen, ohne sie festzuschreiben, treibt die Arbeit an.
Nicht Kontrolle, sondern Aufmerksamkeit.
